Von der „Fülle des Lebens“ erzählten die Lieder, die das „Duo con voce“ im
Kulturzentrum „Alte Kirche“ einem knapp dreißigköpfigen Publikum ansprechend vortrug. Nina Schöne und Wolfgang Joho widmeten sich dabei der gesamten Bandbreite menschlicher Gefühle, eingebettet in vorwiegend deutsche
und spanische Texte. Im Vordergrund stand natürlich die Liebe, die Sehnsucht und die Freude, aber auch das Leid, der Schmerz und die Trauer kamen zur Geltung. Alle Lieder wurden im voraus von den
beiden Künstlern kommentiert, und falls in fremder Sprache, auch übersetzt. Die Sängerin, eine gebürtige Chilenin, verstand es bestens, mit einfühlsamer Stimme und sensiblem Gitarrenspiel, den jeweiligen Liedinhalt zu
unterstreichen.
Der Geiger, der zwischendurch auch mal zur Bongo griff, beherrschte sein Instrument voll und ganz. Violine und Gitarre erwiesen sich im Zusammenwirken als harmonisch aufeinander
eingespielte Partner. Die meisten Titel offerierte man in dieser mit Gesang gepaarten Kombination, unterbrochen von einigen Instrumentalstücken oder Soloeinlagen der Sängerin.
Was den Rhythmus
betrifft, so war man ebenfalls recht abwechslungsreich. Der musikalische Ausflug selbst bewegte sich nicht nur durch Chile und Deutschland, sondern streifte auch England, Irland, Italien und Frankreich. Ein Großteil der
Melodien stammte aus der eigenen Feder, sprich von der Gitarristin oder dem Geiger. Hinzu kamen einige Traditionals und Werke lateinamerikanischer Autoren.
Die Eigenkompositionen widmeten sich
Texten von Ulrike Schöne, Schwester der Sängerin. Die gleichermaßen tiefgründige wie eingängige Lyrik bettete entweder der eine oder der andere in eine passende Melodie ein, um das Ganze dann überzeugend vorzutragen.
Die Titel „Sommerengel“, „Tausend Jahre“, „Stell dir vor“ oder „Geschenke“ erwiesen sich als Beispiele für eine gelungene Symbiose von Wort und Klang.
Aber auch der lateinamerikanische Tango, die
italienische Tarantella, der englische Seemannstanz und der jiddische Klezmer fanden Anklang beim aufmerksamen und beifallsfreudigen Publikum. Das war ebenso bei den chilenischen Traditionals „Mi abuela“ oder „La
sambita“ oder den lateinamerikanischen Titeln wie „Nuestro tema de amor“ des Kubaners Silvio Rodriguez und dem „Te recuerdo Amanda“ des chilenischen Sängers und Komponisten Victor Jara, der 1973 als
Neunundreißigjähriger nach dem Militärputsch sein Leben einbüßte.
Der langanhaltende Schlussapplaus war die beste Anerkennung für das zu offensichtlicher Hochform aufgelaufene Duo und führte
wunschgemäß zu einer ersten Zugabe. Eine zweite folgte dann noch nach der Laudatio des Kulturbeauftragten, so dass der Heimweg schließlich erst zweieinhalb Stunden nach Konzertbeginn angetreten werden konnte, und zwar
in der Gewissheit, ein exzellentes musikalisch-gesangliches Ereignis erlebt zu haben.