Konzert mit dem Gitarristen Ro Gebhardt, Freitag, 17. 5. 2019, 19 Uhr

Ro Gebhardt

Ro Gebhardt, ein saarländischer Gitarrist, der zu der europäischen Creme de la Creme gehört und als Komponist und Arrangeur für unzählige Projekte verschiedenster Grössenordnung geschrieben hat.

Das neue Solo-Programm von Ro Gebhardt heißt „Time Traveller. Gebhardt malt Klänge, verbessert, stellt in Frage, reduziert, renoviert, utopiert, regrediert, fantasiert, wildert, besticht durch Virtuosität, bringt zum Weinen, emotionalisiert, ernüchtert, fasziniert durch Klang, beleidigt, versöhnt, begeistert. Gebhardt nimmt Literatur aus Brasil, Tango, Jazz, Klassik, Blues, Funk unter die Lupe und benutzt es als Improvisationsgrundlage. Passagen von durcharrangiertem Original durchflochten von Momenten spontaner Improvisation, Elektronik, pure Akustik….einzigartig!

Ro Gebhardt trat solo schon vor zehn Jahren in der „Alten Kirche“ auf und im Jahr 2011 zusammen mit einer Sängerin. Zuletzt konnte man ihn im Februar 2017 erleben, zusammen mit der Sängerin Andrea Reichert.

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Der saarländische Ausnahmegitarrist Ro Gebhardt, hier beim Spiel mitten unter den Zuhörern, lieferte in Vinningens Kulturzentrum „Alte Kirche“ auch bei seinem vierten Auftritt innerhalb von 14 Jahren eine mitreißende Gitarrenakrobatik vom Feinsten.

Saitenakrobat Ro Gebhardt fasziniert seine Zuhörer

Ro Gebhardt ist die Gitarre so vertraut wie ein Körperteil, den er in akrobatischer Weise zu nutzen versteht. Davon konnten sich die rund 30 Zuhörer im Kulturzentrum „Alte Kirche“ von Anfang bis Ende des Konzerts „Gitarre Solo“ überzeugen und auch faszinieren lassen. Zu seinem vierten Auftritt seit 2006 hatte der Gitarrist aus dem Saarland auch als Überraschungsgast seinen zwölfjährigen Sohn Alec mitgebracht, der zu etlichen Stücken recht souverän die Bassgitarre bediente.

            Den Zugang zu seinem rund anderthalbstündigen Auftritt mit durchweg eigenen Kompositionen, allerdings stets auf der Basis bereits existierender Titel, gestaltete der Gitarrenvirtuose nach einem Stück aus dem 1959 von Regisseur Marcel Camus geschaffenen Film „Orpheo Negro“, einer Verlagerung des antiken Mythos von Orpheus und Eurydike in die Gegenwart des Karnevals von Rio de Janeiro. „Manha de Carneval“ wurde von Luiz Bonfa und Antonio Carlos Jobim komponiert und Ro Gebhardt machte daraus seinen eigenen Bossa Nova, wie er dies auch bei allen nachfolgenden Titeln handhabte. Das herausragende musikalische Motiv wird auf die verschiedensten Weisen umspielt, mal rasant, dann wieder langsam, immer aber so, dass es nicht verloren geht. Dass dies auch zu körperlichen Anstrengungen führt, belegt das Handtuch, zu dem der Musiker immer wieder greifen muss, um sich den Schweiß von der Stirn zu wischen.

            Beim zweiten musikalischen Angebot, drei Stücken von Charly „Bird“ Parker aus den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts, einem Schöpfer und Saxophon-Interpreten des Bebop und großem Beeinflusser des Jazz, wirkte dann erstmals Gebhardt-Nachwuchs Alec an der Bassgitarre mit. Die von Parker komponierten Titel basieren auf alten Jazz-Standards und die beiden Gitarristen ließen bei ihrem Vortrag beim Zusammenspiel all das mit einfließen, die Motive weiträumig umspielend, aber stets wieder zum Ursprung zurückkehrend.

Bei der Folgepräsentation, einem Medley von fünf Titeln einer bekannten Gruppe der sechziger Jahre, mehr verriet Ro Gebhardt im voraus nicht, spielte er wieder alleine, allerdings ging auch erstmals mit seinem Instrument in den Saal und umkreiste das dort sitzende Publikum. Das dauerte dann bis zur Pause und die Frage, von wem die Titel stammten, wurde natürlich auch beantwortet. Es waren alles Beatles-Songs gewesen, die Gebhardt als Grundlage für seine Interpretation gewählt hatte, alles vorgetragen wie im voraus und auch beim zweiten Set nach der Pause ohne ein Notenblatt.

Diesen eröffnete der Gitarrist wieder solo, und zwar mit „Tango en Skai“ des zeitgenössischen französischen Komponisten und Gitarristen Roland Dyens. Hier wie auch bei weiteren Stücken spielte er auch immer wieder über eine Loop-Station kurz zuvor aufgenommen Sequenzen als Unterbau für die aktuell produzierten Gitarrensoli. Und auch die Bühne wurde erneut verlassen, diesmal nicht nur zur Publikumsumrundung sondern auch zu Gängen in die Reihe hinein bis zum Niederlassen auf freien Stühlen dazwischen. Unmittelbarer kann Musik nicht erlebt werden. Hautnähe war sozusagen immer wieder auch physisch gegeben und die Zuhörer wussten das durch immer wieder spontan gespendeten Beifall auch zu schätzen.

Das galt natürlich dann auch besonders für zwei stets gern gehörte Titel von Stevie Wonder, nämlich „You are the sunshine of my life“ und „Sir Duke“, präsentiert zusammen mit der Bassgitarre von Alec Gebhardt. Auch hierbei ließ der Saitenkünstler seiner Phantasie freien Lauf, produzierte Passagen in wechselnden Rhythmen sozusagen en masse und wusste damit seine Zuhörer erneut zu begeistern. Das tat er dann auch zum Schluss mit „Chic“ Coreas Komposition „Spain“ aus dem Bereich Latin-Jazz, bekanntester Titel aus dem 1973 herausgegebenen Albums „Light as e feather“. Die Tonfolgen ließ der Ausnahmegitarrist in nahezu ununterbrochener Reihenfolge aus seinem Instrument heraussprudeln, eine wahre Flut von mitreißender Gewalt. Zwar sollte diese die letzte des Abends sein, doch der langanhaltende Schlussapplaus animierte schließlich noch zu einer gern entgegengenommenen Zugabe.


Der saarländische Ausnahmegitarrist Ro Gebhardt, hier beim Zusammenspiel mit Sohn Alec, lieferte in Vinningens Kulturzentrum „Alte Kirche“ auch bei seinem vierten Auftritt innerhalb von 14 Jahren eine mitreißende Gitarrenakrobatik vom Feinsten.