Konzert “Deutschstunde — deutsche Liedermacher”, Freitag, 27. 9. 2019, 19 Uhr

Der Sänger und Gitarrist Klaus Reiter

Klaus Reiters Leidenschaft gilt schon lange den anglo-amerikanischen Singer-/Songwritern.  Mit seinem neuen Programm „Deutschstunde“ erfüllt sich der Sänger und Gitarrist aus Pirmasens den schon lange gehegten Wunsch, seinen deutschsprachigen Vorbildern zu huldigen und Lieder insbesondere von Hannes Wader und Klaus Hoffmann, aber auch von Reinhard Mey und Konstantin Wecker auf die Bühne zu bringen. Darüber hinaus präsentiert er aber auch traditionelles deutsches Liedgut („ Die Gedanken sind frei“ etc.) und Lieder aus dem schier unerschöpflichen Repertoire der bekannten Pirmasenser Volkssänger Hein & Oss.
Unterstützt wird er dabei von dem Mundharmonika-Spieler Albert Koch aus Kaiserslautern.

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Klaus Reiter, Gesang und Gitarre, vollbrachte im Zusammenwirken mit seinem Mundharmonika spielenden Musikerkollegen Albert Koch (von rechts) im Kulturzentrum unter dem Titel „Deutschstunde“ eine konzertante Glanzleistung.

„Deutschstunde“ wird zum Highlight

Ein glänzendes Debüt in der „Alten Kirche“ konnte der Pirmasenser Sänger und Gitarrist Klaus Reiter zusammen mit seinem Kaiserslauterner Musikerkollegen Albert Koch, Mundharmonika, feiern. Letzterer war kurzfristig eingesprungen, nachdem die vorgesehene Akkordeonmitwirkung durch Klaus Peter Hornberger krankheitsbedingt nicht zustande kam. Erstmals präsentierte der in Rodalben wohnhafte Künstler sein neues Programm „Deutschstunde“ und konnte damit 100 Zuhörer von Anfang bis Ende voll und ganz für sich einnehmen.

            Der seit fünfzig Jahren musikalisch aktive ehemalige Heimerzieher, aus der Pirmasenser Musikszene nicht mehr wegzudenken, durfte im Verlauf des Abends immer wieder feststellen, dass man ihn auch „auf dem Land“ hoch einschätzt und ihm gerne zuhört. Diese Aufmerksamkeit, die immer gegeben war, und nicht wie bei vielen anderen Lokalitäten durch Ablenkungen gestört wurde, genossen sowohl Reiter als auch der ihn begleitende Mundharmonikaspieler, der immer wieder auch durch mitreißende Soli sein Können demonstrierte. Die beiden Künstler agierten in einer erstaunlichen Harmonie, als hätten sie schon lange miteinander geprobt, was ja aufgrund des ersatzweisen Einspringens nicht gegeben war.

            Das von Reiter ausgewählte Liedprogramm, Titel deutscher Liedermacher sowie traditionelles Liedgut, erwies sich als exzellente Mischung von mehr oder weniger Bekanntem. Die Auswahl war so getroffen, dass der Künstler hinter jedem Inhalt stehen konnte und somit ein sehr authentisches Gesamtprogramm zustande kam. Durchgehend wurde immer wieder spürbar, dass sich der Sänger und Musiker mit diesem Vorhaben einen lang gehegten Wunsch erfüllt hatte und somit die entsprechende Zufriedenheit über die Realisierung ausstrahlen konnte. Die Ergänzung und Abrundung der wohlklingenden Stimme und des perfekten Gitarrenspiels durch die begleitende, aber zuweilen auch in den Vordergrund tretenden exzellent gespielten Mundharmonika ließ keine Wünsche offen.

            Als Auftaktlied präsentierte das Duo das bekannte „Gut, wieder hier zu sein“, von Hannes Wader nach dem amerikanischen Original „It`s good to see you“ von Allan Taylor geschrieben hat. Nach diesem Einstieg wechselten die beiden zu zwei Liedern von Konstantin Wecker. Ausgewählt hatten sie die Titel „Was keiner wagt“, nach einem Text des katholischen Theologen Lothar Zenetti, sowie „Wenn der Sommer nicht mehr weit ist“. Danach folgten weitere Lieder von Hannes Wader, so „Kleine Stadt“, eine Liebeserklärung an das elsässische Weißenburg, das Anti-Kriegs-Lied „Es ist an der Zeit“, das sehr bekannte „Heute hier, morgen dort“, nach einer Melodie „Indian summer“ von Gary Bolstad und schließlich das „Wer weiß“, das Hannes Wader auf die Melodie eines altes schottischen Volkslieds geschrieben hat und das bei uns unter dem Titel „Nehmt Abschied Brüder“ zum Allgemeingut wurde. Auf diesem Hintergrund hatte man im voraus auch Textblätter ausgeteilt und konnte so das Publikum zum Mitsingen animieren.

            In der Folge wechselte das Duo zu drei Titeln des Liedermachers Klaus Hoffmann, nämlich „Flandernland“, „Blinde Katharina“ und „Salambo“, Liedern bei denen teilweise der Einfluss von Jacques Brel nicht zu überhören ist. Schlusspunkte vor der Pause nach gut einer Stunde setzten die Bühnenakteure mit zwei Beispielen von Reinhard Mey. Zuerst intonierten die beiden „Ich wollte wie Orpheus singen“, ein Lied, das der Autor ganz am Anfang seiner Künstlerlaufbahn präsentiert hatte, und anschließend das überaus bekannte „Über den Wolken“, wobei auch hier den Zuhörern die Gelegenheit zum Mitsingen gegeben wurde.

            Mit den „Straßen unserer Stadt“ der Sängerin und Liedermacherin Jasmine Bonnin ging es nach der Pause weiter. Danach offerierte das Duo ein ganz spezielles musikalisches Bonbon, nämlich einen Text des bekannten Pirmasenser Sängers Ralf Maxstadt, den dieser als Mitglied der ehemaligen Band „Gangsters“ auf eine bekannte Melodie gesetzt hatte, und zwar mit dem Titel „Bärmesens“. Hier hatte Reiter endlich Gelegenheit zu singen, wie ihm „de Schnawwl gewachse is“, nämlich „uff gud pälzisch“ beziehungsweise „bärmesenserisch“, um damit den längst geschaffenen Draht zum Publikum auf diese Weise noch zu verstärken. Das tat er dann noch zusätzlich mit zwei Liedern der Kröher-Zwillinge, nämlich „Der Pfahl“ und noch mehr mit „Servus Europa“, einem Kröher-Text auf die durch Rudi Carell besonders bekannt gewordene Schlagermelodie „Wann wird`s mal wieder richtig Sommer“, die ihren Ursprung in dem Titel „City of New Orleans“ des US-amerikanischen Folksängers Steve Goodman hat.

            Der Konzertabschluss begingen die beiden Solisten mit vier traditionellen Liedern, darunter das „Bella Ciao“, dem Lied der italienischen Widerstandsbewegung im 2. Weltkrieg. Mitgesungen durch das Publikum wurden dann „Sag mir, wo die Blumen sind“, einem Peter Seeger-Titel, bekannt geworden durch Marlene Dietrich, und „Die Gedanken sind frei“ mit dem Text von Hoffmann von Fallersleben. Keine Frage, dass trotz später Stunde die Zuhörer durch langanhaltenden Beifall Zugaben forderten. Die gab es dann mit „Ade zur guten Nacht“ und letztendlich mit Reinhard Meys „Gute Nacht, Freunde“. Damit endete ein Konzertabend, dessen Nachhall die Zuhörer sicherlich noch einige Zeit verspüren werden.