Ausstellung mit dem Bildhauer Michael Gehring, So, 26. 8. 18, 15 Uhr

 

Der studierte Bildhauer und Kunsterzieher a. D. Michael Gehring, 75 Jahre alt, Obersimten, dessen Heimatort zwischenzeitlich von etlichen Zeugnissen seiner künstlerischen Tätigkeit profitiert, möchte mit der Ausstellung eine Auswahl von Arbeiten seiner jahrzehntelangen künstlerischen Tätigkeit bieten.

Dazu gehört in Obersimten u. a.:

– das Maulesel-Denkmal auf dem Dorfplatz

– Skulpturen vor der Sängerhalle, vor dem Feuerwehrhaus und vor dem Sportheim

– die künstlerische Gestaltung der Rückwand in der Einsegnungshalle, von deren Türen und der Wasserentnahmestellen

In Ruppertsweiler schuf er die Skulptur des „Rubberschwiller Peter“ und an der „Alten Kirche“ Vinningen gestaltete er die seitliche Außentür. Weitere Werke von ihm finden sich in Kirchen der Eifel, seiner ursprünglichen Heimat.

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Michael Gehrings Skulpturen

widmen sich vorwiegend dem menschlichen Leben

Erfreulich gut besucht war die Ausstellung des Bildhauers Michael Gehring im Kulturzentrum „Alte Kirche“. Der Künstler aus Obersimten präsentiert im Kirchenschiff und Chorraum Skulpturen zu wichtigen Themen des menschlichen Lebens. An den Wänden hängen großformatige Fotografien zahlreicher Werke, die er für Kirchen, Friedhofshallen und öffentliche Plätze geschaffen hat. Die Auswahl umfasst das Schaffen über einige Jahrzehnte hin. Am Sonntag, 2. September, 15 – 18 Uhr, besteht erneut Gelegenheit zum Besuch der interessanten und Denkanstöße vermittelnden Ausstellung.

Michael Gehring selbst war es, der nach der Begrüßung der Kunstinteressierten durch den Kulturbeauftragten die ausgestellten Fotografien und Skulpturen kommentierte. Gestreift wurden dabei die von ihm in seiner Heimatgemeinde geschaffenen Werke, angefangen vom Maulesel-Denkmals auf dem Dorfplatz über die Skulpturen vor der Feuerwehrunterkunft, der Sängerhalle und dem Sportheim bis hin zur künstlerischen Gestaltung der Friedhofshalle und der Wasserentnahmestelle auf dem Friedhof. Verwiesen wurde auch auf das Denkmal „Rubberschwiller Peter“, das „Rappenfels-Denkmal“ in Winzeln und die südliche Seitentür der „Alten Kirche“ von Vinningen.

Letztere hatte Gehring in den Jahren 1996/97 geschaffen, und zwar mit Symbolen der künftigen Verwendung als Kulturzentrum im Mittelpunkt. In den Randbereichen wurde dagegen die Ortsgeschichte dokumentiert, angefangen mit der Darstellung der protestantischen und der ehemaligen katholischen Kirche über die Straußbuben bis hin zum sogenannten Ausscheller, dem Gemeindeboten, der die gemeindlichen Nachrichten ausrief.

Über dem Ganzen findet sich das Ortswappen mit den Jahreszahlen 1220, als das Gebäude errichtet wurde, und 1768, als man es verlängerte und erhöhte.

Im Vorfeld dazu hatte der Kulturbeauftragte seine Freude zum Ausdruck gebracht, dass es endlich nach über 20 Jahren gelungen war, den Erschaffer dieser kunstvollen Außentür mit einer Ausstellung in das restaurierte Gebäude zu bringen. Gehringer stellte dazu heraus, dass gerade die Portale etlicher weiterer Kirchen nah und fern von ihm gestaltet worden waren, wobei es nicht immer leicht gewesen sei, die Verantwortlichen für seine Darstellungsideen zu überzeugen. Das galt auch für den Altar, den Ambo und die Wandreliefs im nicht nur für kirchliche Zwecke verwendeten Raum des Hochhauses auf der Ruhbank. Dort machte vor allem die Notwendigkeit eines beweglichen Altars Probleme, die aber letztendlich auch gelöst werden konnten.

Was die real gezeigten Skulpturen auf den aufgestellten Podesten betrifft, allesamt betitelt, so beeindruckten bei den aus verschiedenen Materialien gefertigten Werken vor allem die zeitkritischen Motive. Da findet sich beispielsweise das Objekt „Mammon“, eine Metallskulptur, bei der ein alles überragendes Geldstück von Menschen, liegend, knieend, fast anbetend, umgeben ist. „Überfluss“ nennt sich eine Metallskulptur, die ein wegen der Fülle der Trauben auseinander brechendes Gefäß zeigt. Ein weiteres in Kupfer gefertigtes Kunstwerk heißt „4. Gewalt“, eine liegende menschliche Figur wird von einem überdimensionalen Federhalter förmlich aufgespießt. Gehring prangert damit die Macht einer Presse an, die es auf Sensationsberichte ohne Rücksicht auf den oder die betroffenen Menschen anlegt.

„Vergänglichkeit“ heißt ein Holzkunstwerk, ein verwitterter Baumstamm, der auf der Vorderseite eine glatte weißgefärbte weibliche Gestalt darstellt, während die Rückseite das Holz präsentiert, das sich in morbider Auflösung befindet. Das Ganze entstand in der Phase der Betroffenheit und Trauer nach dem Tod der Ehefrau. Gehring, der nicht nur Kunst, sondern auch Philosophie studierte, stellt heraus, dass es ihm eigentlich immer um den Menschen und das Leben in all seinen Facetten geht. Das zeigt sich auch in den Werken „Misericordia“, eine Art Pieta, ebenfalls in dieser Zeit geschaffen, und „Abfall Mensch“, eine weiße Skulptur, die eine offensichtlich klagende Frauengestalt vor einem toten Menschen zeigt, entstanden während des Balkankrieges, der immer wieder demonstrierte, dass menschliches Leben nicht höher bewertet wurde als Müll.

Ein aktuelles Werk mit dem Titel „Das Boot ist voll“ ist auch dabei, eine etwa 10 Zentimeter dicke und etwa ein Meter hohe Wand aus altem Lindenholz, in die reliefartig auf der Vorderseite die Ansicht eines randvoll besetzten Bootes, schwimmend auf dem Meer, eingearbeitet ist. Ein Bootsinsasse ist herausgefallen, ein weiterer versucht, ihn wieder ins Boot zu ziehen. Das Ganze ist zusätzlich eingefärbt. Weitere Werke dieser Art, noch „brutaler“ in der Ansicht, sind laut Aussage des Künstlers in der Bearbeitung, und zwar für eine Ausstellung in Rodalben, die für das Spätjahr geplant ist.

Eine Art Kontrast dazu bildete die gelungene musikalische Umrahmung durch Peter Ermshaus, Klarinette,  und seine beiden Söhne Yannick und Julian, Klavier. Deren Musik, teils im Duo, teils solo vorgetragen, zeigte sozusagen die Sonnenseiten des Lebens. Die kamen natürlich neben aller Kritik an menschlichen Schwächen und Fehlern auch bei Michael Gehring zum Ausdruck, beispielsweise in seiner Holzskulptur „Katze“, die er seiner Hausbewohnerin widmete, oder der in Metall ausgeführten Kopfplastik seines Sohns Jörg, geschaffen 1982, als dieser gerade 16 Jahre alt war.