Balladenkonzert “Zum Spiel bei Erlkönigs Töchtern”, Sonntag, 10. 11. 2019, 19 Uhr

Die Sängerin Dr. Hildegard Baum

Balladen!
Sie glauben Balladen noch aus dem Deutschunterricht zu kennen: Endlose Gedichte mit verwirrenden Titeln? – Weit gefehlt!

Beim „Spiel mit Erlkönigs Töchtern“ werden Sie aus dem Staunen nicht mehr herauskommen!

Musik von Schubert, Schumann, Liszt und Wolf lassen aus den langen Gedichten pralle Geschichten entstehen: verzweifelte Rettungsaktionen, urkomische Missverständnisse, betörende Blondinen, obsessive Liebesbeziehungen – Dramatik pur, wenn Texte von Goethe, Heine, Mörike und Co. mit packenden „Soundtracks“ versehen werden!

Lassen Sie sich mitreißen!

Dr. Hildegard Baum begann während Ihres Medizinstudiums eine private Gesangsausbildung bei Bernd Bachmann und Antonia Lutz. Bei Christiana Jordan belegte sie ergänzend Kurse in Liedgestaltung. Aktuell arbeitet sie mit den Gesangspädagogen Uwe Götz und Berthold Hirschfeld. Hildegard Baum ist regelmäßig als Solistin  in verschiedenen Chorprojekten tätig, u.a. arbeitet sie mit dem Zweibrücker Kammerorchester zusammen.

Klavierbegleiterin Marina Kavtaradze

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Der Sopranistin Dr. Hildegard Baum gelang im Vinninger Kulturzentrum „Alte Kirche“ zusammen mit der Klavierbegleiterin, aber auch –solistin, Marina Kavtaradze, ein überaus beeindruckendes Balladenkonzert mit dem Titel „Zum Spiel bei Erlkönigs Töchtern“.

Bühnenakteure boten Höchstleistung

Ein exzellentes und faszinierendes Balladenkonzert unter dem Motto „Zum Spiel bei Erlkönigs Töchtern“ durften die Zuhörer im Kulturzentrum „Alte Kirche“ genießen. Leider waren es nur wenige, die das besondere Angebot der Sopranistin Dr. Hildegard Baum und der Pianistin Marina Kavtaradze wahrnahmen, doch der immer wieder gespendete starke Applaus machte deutlich, dass man sowohl den hervorragenden Gesang als auch das versierte Klavierspiel zu schätzen wusste.

            Dr. Hans-Peter Baum war es, der als Moderator in das Bühnengeschehen einführte sowie immer wieder im voraus die einzelnen Programmpunkte mit interessanten Hintergrundinformationen erläuterte, so auch den Auftakt des gesanglich-musikalischen Ablaufs. Den lieferte Marina Kavtaradze mit Sergej Prokofjews Klavierstück „Teuflische Einflüsterung“, das der Komponist 1911 im Alter von 20 Jahren geschaffen hatte, zu dem er aber schon als Fünfzehnjähriger erste Entwürfe anfertigte. Die Pianistin bewies bereits bei diesem ersten Stück ihrer Rolle als Solistin, dass sie jeden Schwierigkeitsgrad zu meistern versteht.

            Der schwedischen Sagengestalt „Nöck“ widmete sich die Sopranistin Dr. Hildegard Baum bei ihrem ersten Gesangstitel, einer Komposition von Carl Loewe, und zwar zu einer Ballade von August Kopisch, dem Schöpfer des bekannten Gedichts „Die Heinzelmännchen von Köln“. Was Loewe betrifft, so vertonte dieser rund 400 Balladen, unter anderm auch das Werk von August Kopisch, der darin die Sagengestalt des „Nöck“ sympatischer darstellte, als in der Urversion, und zwar als Sänger, von dem es heißt: „Er singt bis in die Sternennacht“. Schon bei diesem Auftaktlied war zu erkennen, dass die Sopranistin nicht nur gesanglich, sondern auch darstellerisch allen Anforderungen gerecht zu werden wusste.

            Das setzte sie auch weiterhin fort, so bei der folgenden Komposition von Franz Schubert zur Ballade „Der Zwerg“, geschaffen vom österreichischen Schriftsteller Matthäus von Collin. Die Ballade handelt von einem unglücklich verliebten Zwerg, dessen angebetete Königin vom Zwergen mit deren Einverständnis erdrosselt wird, so dass diese sogar wünscht: „Mögst du nicht Schmerz durch meinen Tod gewinnen“. Auch hier schaffte es die Sängerin immer wieder, die Gefühle der Beteiligten durch ihren Vortrag offenkundig werden zu lassen.

            Das verstand auch die Pianistin beim sich anschließenden Klavierstück des Norwegers Edvard Grieg, dem „Zug der Zwerge“. Herauszuhören waren insbesonders die vielen Bewegungen der kleinen Sagengestalten. Das galt auch für die Gefühle, vor allem die lebenslange Treue des Königs zu seiner Geliebten in der Goethe-Ballade „Es war ein König in Thule“, die Dr. Hildegard Baum bei ihrem Vortrag der entsprechenden Franz Liszt-Komposition vor den Zuhörern bewusst werden ließ. Die Ballade machte Johann Wolfgang von Goethe zu einem Bestandteil seines Theaterstücks „Faust Erster Teil“ und legte sie dort Gretchen in den Mund.

            „Die Geister am Mummelsee“ von Eduard Mörike wurden von Hugo Wolf vertont und standen ebenfalls auf der Programmliste des Duos Baum/Kavtaradze. Sie handelt von Geistern, die in einem Trauerzug einen toten König zum See tragen und dort bestatten. Unerwünschte Zaungäste werden von den auftauchenden Geistern verfolgt. Die entsprechende Dramatik der Handlung kam im Vortrag der Sängerin wie auch im begleitenden Spiel der Pianistin bestens zum Ausdruck. Das galt auch für den letzten Gesangsbeitrag vor der Pause, einer Robert Schumann-Komposition zur Heinrich Heine-Ballade „Die zwei Grenadiere“.

            Sie handelt einerseits von Soldatentreue, dahinter aber vor allem vom Freiheitsideal der Französischen Revolution, verkörpert in der Gestalt Napoleons. So ist es nicht verwunderlich, dass bei der Musik immer wieder Melodiemotive der französischen Nationalhymne herauszuhören waren. Gerade bei diesen Passagen verkörperte die Sängerin durch ihre starke Vortragsweise geradezu die französische Nationalfrauenfigur „Marianne“, wiederum ein deutlicher Beleg dafür, wie sehr sich die Künstlerin mit den gesungenen Inhalten zu identifizieren wusste.

            Das war auch beim Vortrag des Klavierstücks „Die Hütte der Baba Yaga“, einem Teil aus Modest Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“, durch die Pianistin zu spüren. Sie ließ auf beste Weise die Aktivitäten der Hexe, vor allem ihren Flug, plastisch werden, so auch das Herab- und Vorüberfliegen mit dem Ziel, die Menschen zu erschrecken. Das musikalische Denkmal des Komponisten für seinen Malerfreund Viktor Alexandrowitsch Hartmann war bei Marina Kavtaradze in besten Händen.

            Im zweiten Konzertteil präsentierte die Sängerin mit dem bekannten „Erlkönig“ von Goethe und dem weniger bekannten „Der späte Gast“ von Willibald Alexis noch zwei Loewe-Kompositionen, gefolgt von dem ebenfalls immer wieder gern gehörten Heinrich Heine-Ballade „Loreley“ in einer Franz Liszt-Vertonung sowie einem weiteren Robert Schumann Stück, nämlich Josef von Eichendorffs „Waldgespräch“, vier weitere Vorträge. Als Abschluss bot die Sopranistin dann die Hugo Wolf-Kompositon „Elfenlied“ nach einer Ballade von Eduard Mörike. Dazwischen gab es zwei Solostücke durch Marina Kavtaradze, nämlich Franz Liszts „Gnomenreigen“ und Edvard Griegs „Elfentanz“.

            Insgesamt gesehen war es den beiden Künstlerinnen durchweg gelungen, das sorgsam ausgewählte Programm in bester Weise umzusetzen und die sicherlich nicht leichte Kost auf durchweg ansprechende Art an die sehr aufmerksamen Zuhörer heranzutragen. Der Schlussbeifall war entsprechend ausgiebig und führte auch noch zu einer Zugabe.