Neujahrskonzert mit den “Silvertunes”, Sonntag, 12. Januar 2020, 19 Uhr

Michel Roublot, Joana Whittacker, Kerstin Strauch (hinten von links) Anna Klapetek, Beate Link, Helma Terres (vorn von links) – Es fehlt Anna-Lena Resch

Das neu gegründete Ensemble der Kreismusikschule Südwestpfalz unter der Leitung von Michel Roublot spielt Stücke aus dem Barock, der Romantik bis zu moderner Ensemble-Literatur.

Moderiert wird das Konzert von Kerstin Strauch.

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Michel Roublot (rechts) gestaltete zusammen mit fünf Mitspielerinnen, von rechts Beate Link, Anna Klapetek, Joanna Whittaker-Simon, Helma Terres und Anna-Lena Resch als Querflöten-Ensemble „Silvertunes“ im Kulturzentrum „Alte Kirche“ ein herausragendes Neujahrskonzert.

Neujahrskonzert wird durch „Silvertunes“ zum musikalischen Highlight

Einen musikalischen Höhepunkt lieferte schon die Auftaktveranstaltung zum Kulturprogramm 2020 der „Alten Kirche“. Das von dem Querflöten-Ensemble „Silvertunes“ gestaltete Neujahrskonzert wurde zu einem Glanzlicht der Veranstaltungsreihe in Vinningens Kulturzentrum. Dirigent und Mitspieler Michel Roublot konnte zusammen mit fünf weiteren Querflöten-Künstlern ein bestens ausgewogenes und exzellent umgesetztes Programm aus alter und neuer Musik präsentieren. Gelegentlich dabei begleitend mitwirkend war auch der Pianist Michael Schneiders.

            Die fünf Damen, im einzelnen Helma Terres, Joanna Whittaker-Simon, Beate Link, Anna Klapetek und Anna-Lena Resch, zeigten sich zusammen mit ihrem Maestro sehr gut vorbereitet, was sich schon beim Auftaktstück zeigte. Geboten wurde das Concerto Nr. 2 von Joseph Bodin des Boismoitier, laut Moderatorin Steffi Sieber, „ein Popstar seiner Zeit“, sprich der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, der mit seiner „Unterhaltungsmusik“ damals bestens ankam und entsprechend gut betucht war. Anders war dies bei Johann Sebastian Bach, der es finanziell nicht immer leicht hatte. Von ihm trug das Ensemble die instrumentale Einleitung der 1746 geschriebenen Kantate „Non sa che sia dolore“ vor, bei der es um den Abschied von Freunden und Heimat geht.

            Während die ersten beiden Stücke von allen sechs Mitwirkenden gespielt wurden, reduzierte man sich beim dritten Stück zum Trio, um ein entsprechendes Werk des Komponisten Christian Ludwig Dietter zu intonieren, eines Mannes, der gegen seinen Willen zeitlebens an das Herrscherhaus Württemberg gebunden war. Dessen ungeachtet schrieb er bei seinen „Douze Pièces Concertantes“ ein sehr beeindruckendes Allegro Vivace, das auch entsprechend vorgetragen wurde. Ein zweites Mal wurde im Trio musiziert, und zwar bei Franz Anton Hoffmeisters „Trio in D“. Der Komponist war ein Publikumsliebling seiner Zeit, sprich der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und schuf Werke aller Art.

            Von Johann Joachim Quantz, Hofkomponist von Friedrich dem Großen, und Verfasser zahlreicher Flötenkompositionen, hatte man sich einen höfischen Tanz ausgesucht. Wer im Publikum die Augen schloss, konnte sich zur Musik die entsprechend tanzenden höfischen Paare förmlich vorstellen. Die Original-Flötenliteratur wurde beim letzten Stück vor der Pause verlassen. Mit dem Menuett aus „L`Arlésienne“ von Georges Bizet, arrangiert von Howard Cohen, präsentierte das Ensemble ein Stück aus der Bühnenmusik zum gleichnamigen Schauspiel. Im Gegensatz zur Musik konnte sich dieses Stück allerdings nicht an den Bühnen behaupten. Die Musik dagegen setzte sich großartig durch und wurde am Konzertabend vor allem durch Michel Roublot sehr empfindsam umgesetzt.

            Nach der Pause wechselte das Sextett zum Komponisten Antonin Dvorak und blieb damit im 19. Jahrhundert. Von ihm spielte man eine seiner für Klavier geschriebenen „Humoresken“. Dvorak schrieb diese auf dem Hintergrund einer Amerikareise, bei der er auch die Volksmusik schottischer Einwanderer kennenlernte. Dieser Einfluss war auch beim gespielten Arrangement der „Silvertunes“ nicht zu überhören, ebenso wenig wie das Nebeneinander von Humor und Melancholie, das die Flötisten vorzüglich bewältigten. Diese Aufgabe hatten sie auch beim Arrangement der Ouvertüre zur Mozartschen „Zauberflöte“, einer Musik, die hundert Jahre zuvor entstanden war.

            Danach widmeten sich die Künstler dem 20. Jahrhundert, beginnend mit dem Komponisten Astor Piazzolla, dem Begründer des „Tango Nuevo“. Gespielt wurde der bekannte „Libertango“ nach einem Arrangement von Piet Groeneveld. Mitreißend wie dieser war auch das Folgestück, eine vor Jahrzehnten geschaffene Komposition des Roublot-Freundes Arthur Segando. Das von der jiddischen Klezmermusik beeinflusste „Jiddisch Theme“ wurde ebenso gekonnt umgesetzt wie das vorausgegangene argentinische Stück. Förmlich zu hören und gut vorstellbar war der rollende Zug beim Benedikt Brydern-Titel „Travel Diaries: On the train“. Erlebbar waren dabei auch die wechselnden Landschaften, die der Zug durchfuhr.

            Ebenfalls einem zeitgenössischen Komponisten widmeten sich die „Silvertunes“ bei ihrem abschließenden Vortrag. Gespielt wurden dabei einige Tänze von Thomas Hamori, der es bei diesen Kompositionen fertig brachte, Rhythmen und Klänge aus aller Welt einzufangen und in schwungvolle Stücke zu verwandeln. Nachdem nicht alles aus den  „Acht Tänzen“ wie „Foxtrott“, „Bolero“, „Tango“, „Schottisch“ und „Mazurka“  vorgetragen wurde, hatte das Ensemble die Möglichkeit, nach viel Zwischenapplaus und dem nicht enden wollenden Schlussbeifall der teilweise stehenden Zuhörerschaft noch einige Tänze als hochwillkommene Zugabe nachzureichen.

Das Trio Beate Link, Joanne Whittaker-Simon und Anna-Lena Resch