Konzert “Von Odessa nach Paris — Klezmer & Musette”, Sonntag, 8. September 2019, 19 Uhr

Søren Thies singt Lieder in jiddisch und französisch und erzählt dabei die Geschichte eines Klezmermusikers, der sich aufmacht, um in der Fremde sein Glück zu finden. Die Schwermut Osteuropas trifft für einen Abend auf französische Leichtigkeit. Das Publikum darf lachen, weinen, schmunzeln oder auch einfach nur die Augen schließen und lauschen, wie Musik etablierte Grenzen überwindet.

So wie die Klezmorim immer schon verschiedene Einflüsse in ihre Musik aufgenommen haben, verbindet „Von Odessa nach Paris“ die Provinz mit der Metropole und die Lieder des jüdischen Schtetls mit dem Puls der Großstadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts.Søren Thies wurde 1969 in Hamburg geboren. Er wuchs vor allem mit klassischer Musik auf und entdeckte erst mit 19 Jahren seine Liebe zum Akkordeon. Neben dem Studium der Musikwissenschaft, Völkerkunde und Geographie war er als Straßenmusiker aktiv und spielte in verschiedenen Ensembles Klezmer und Folk. Seit 1996 ist Søren Thies vor allem solo unterwegs. Søren Thies singt in deutsch, jiddisch und französisch und hat eine Reihe eigener Lieder geschrieben, sowie deutsch-jüdische Dichter des 19. und 20. Jahrhunderts neu vertont

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Der Sänger und Akkordeonist Sören Thies zeigte sich auch bei seinem zweiten Auftritt in der „Alten Kirche“ in Hochform.

Sören Thies begeistert mit seiner musikalischen Reise „Von Odessa nach Paris“

Total begeistert waren die „Reiseteilnehmer“ von Sören Thies im Kulturzentrum. Der Sänger und Akkordeonist aus Limburg hatte sich mit rund 70 „Reiselustigen“ auf die musikalische Reise „Von Odessa nach Paris“ gemacht und moderierte, sang und spielte so, dass seinem Angebot an Klezmern und Musettes vom Konzertanfang bis zu dessen Ende auch die wünschenswerte Resonanz zuteil wurde.

            Die von ihm offerierte Geschichte handelte von einem jiddischen Klezmermusiker aus der Gegend von Odessa, der sich auf den Weg macht, um in der Fremde das Glück zu finden. Er reist über das Schwarze Meer und das Mittelmeer, durchquert von Marseille aus Frankreich, um schließlich Paris zu erreichen. Thies brachte alle gesanglichen wie instrumentalen Stücke, die er im Verlauf der Reise offerierte, also in einem epischen und interessanten Zusammenhang, bei dem die Schwermut Osteuropas für einen Abend auf französische Leichtigkeit traf.

Eröffnet wurde das Konzert in der „Alten Kirche“ mit dem Liedtitel „Libkejt“ und dem Instrumentaltraditional „Warschawer Frejlach“. Nachdem der Künstler über viel jüdische Gepflogenheiten, aber auch über Etliches aus der Geschichte der europäischen Juden erzählt hatte, folgte der Titel „A jiddische Mame“. Das Publikum durfte lachen, traurig sein, schmunzeln oder auch einfach nur die Augen schließen und lauschen, wie Musik etablierte Grenzen überwand.

            Von vornherein wurde für jeden Zuhörer deutlich, dass Sören Thies sehr versiert, aber auch engagiert mit seinem Liedgut umgeht. Bei ihm ist alles verinnerlicht, die Lieder wie die Melodien. Er benötigte keine Text- oder Notenvorlagen. Mit seiner gleichermaßen sonoren wie gut ausgeprägten Stimme versteht er es blendend, viele Nuancen herauszuarbeiten. Das gilt genauso für sein reines Akkordeonspiel bei den Klezmer-Traditionals „Hejser Bulgar“, „Terkische“ oder „Oj dortn, dortn“ wie später auch bei den Musettes wie „Il pleut“, „Jeanette“ oder der Eigenkomposition „La liberté“. Die erforderliche Nuancierung des Instruments bei Gesangsstücken gehörte ebenso dazu.

            An französischen Liedern sind unter anderm Georges Brassens „La cane de Jeanne“, Charles Trenets „La mer“ und „Sur les quais du vieux Paris“ zu hören. Das Französisch klingt bei Sören Thies genauso authentisch wie das Jiddische. Dass er sich gelegentlich auch des Englischen bedient, demonstriert er beim bekannten „Baj mir bistu scheijn“, das er in mehreren Sprachen vorträgt und die deutsche Sprache benutzt er schließlich bei den Zugaben, so beim „Wenn du einmal dein Herz verschenkst“ von Willy Rosen, einem Lied aus seinem Programm „Musik jüdischer Künstler in der Weimarer Zeit“. Aus diesem stammte dann auch noch das „Irgendwo auf der Welt gibt`s ein kleines bisschen Glück“  von den „Comedian Harmonists“.

            Sören Thies schafft es über zwei Stunden hin auf überaus ansprechende Weise, das gesteckte Programmziel zu verwirklichen, nämlich aufzuweisen, wie einerseits die Klezmorim immer schon verschiedene Einflüsse in ihre Musik aufgenommen haben und andrerseits die Provinz mit der Metropole und die Lieder des jüdischen Schtetls mit dem Puls der Großstadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts verbunden wird. Die Zuhörer bedachten die gelungenen Vorträge mit starkem Beifall. Der Schlussapplaus war langanhaltend und hatte Zugaben in der Folge. Sören Thies, der vor fünf Jahren in Vinningen mit seinem Programm „Sous le ciel de Paris“ schon großen Erfolg hatte, konnte bei seinem zweiten Auftritt in der „Alten Kirche“ nahtlos anschließen.