Ausstellung “Symbiose Farbe” mit Manuela Schwarz Thomas und Traudel Reinfrank-Grißmer, Sonntag, 9. Februar 2020, 15 Uhr

Manuela Schwarz-Thomas ist 1965 in Pirmasens geboren. 2007 eröffnete sie „das kleine Atelier“, ansässig auf dem Salzwoog, dass auch eine kleine Malschule beinhaltet in der regelmäßig Unterricht stattfindet.

Die Künstlerin zu ihrem Schaffen: „Meine Werke werden vorwiegend in der Spachteltechnik gearbeitet bei der ich mehrere Farbschichten übereinander auftrage.

In der Schütttechnik wird die Farbe aus Pigmenten im Becher angerührt und tatsächlich über den Malgrund geschüttet. So entstehen Formen und Schattenbereiche durch lasierende, übereinander gelagerten Farbflächen.

Meine Bilder entwickeln sich mit jedem Farbauftrag und wachsen so von der Farbe und meiner Intuition und Intention geleitet ihrer Form entgegen.

Bei den Zeichnungen ist es ähnlich. Man beginnt mit einer Idee und mit jedem Strich, jedem entstandenen Schattenbereich wächst die Zeichnung in ihre endliche Form.“

Waltraud Reinfrank-Grißmer, geb. 1953 in Edenkoben/Pfalz, widmet sich seit 1997 der Kunst. Ihr Weg führte sie über Materialien Lehm, Beton, Gips und Metallschrott zu ihrem eigentlichen Metier – Holz und Papier.

Ihre Arbeiten entstehen niemals unter Zeitdruck, denn Kunst braucht Zeit. Ihre Werke vermitteln Fröhlichkeit und Lebensfreude und laden uns dazu ein sich Ihnen zu nähern.

_________________________________________________________________________________________________________________________

Ausstellung sehenswerter Bilder und Skulpturen

Die Besucherzahl bei der Eröffnung der Doppelausstellung im Kulturzentrum „Alte Kirche“ wurde zwar durch Sturmwarnungen reduziert, doch die Würdigung der ausgestellten Bilder und Skulpturen litt darunter nicht. Der Kulturbeauftragte fand ungeachtet des kleinen Publikums treffende Worte für die Werke der Malerin Manuela Schwarz-Thomas sowie der Skulpturenkünstlerin Waltraud Reinfrank-Grißmer. Hinzu kam die überaus ansprechende musikalische Umrahmung durch die Pianistin Andrea Kurz und den Oboisten Erich Weber.

An den Wänden des Kirchenschiffs sowie des Chorraums werden 20 Bilder präsentiert, knapp die Hälfte davon im kleinen Format. Hergestellt wurden sie mit Acrylfarben, zumeist in Spachteltechnik, einige mit Pinsel oder in Schütttechnik. Der Kulturbeauftragte charakterisierte sie mit einem Zitat von Vincent van Gogh: „Es sind Harmonien und Kontraste in den Farben verborgen, die ganz von selbst zusammenwirken.“

Durch mehrfaches gezieltes Überspachteln schafft die Künstlerin, deren Atelier sich in der Lemberger Annexe Salzwoog befindet, bei der von ihr betriebenen Symbiose zwischen Leinwand und Farbe viele Nuancen ein und desselben Farbtons. Das gilt für ihre nicht gegenständlichen Bilder, aber auch für ihre Motive wie Himmel, Meer, Mensch, Häuser, See, Berge, Bäume oder Landschaft.

Spürbar ist aber auch, dass sie mit alledem Impulse beim Betrachter setzen will, nachdem sie selbst ihre Kunst mit viel Nachdenklichkeit betreibt. Ein deutlicher Beleg dafür ist ihr kleines Büchlein mit dem Titel „Gedanken auf Wanderschaft“ aus dem Jahr 2013. Darin wird ersichtlich, dass sie das Leben nicht auf die leichte Schulter nimmt, viel darüber nachdenkt und der weithin praktizierten Schnelllebigkeit und Oberflächlichkeit unsrer Welt Paroli bietet. So gewinnen die Bilder an Tiefe und werden zu Zeichen des Einhaltens und Sinnsuchens.

Man ist versucht, sie der Sparte „schwere Kost“ zuzuordnen, doch nur, wenn man die Malerin nicht kennt, ihre Lebensbejahung und ihren Optimismus, der sie auch befähigt, immer wieder Malkurse durchzuführen, um ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten an dafür Interessierte weiterzugeben. Aufgrund der relativ geringen Zahl an ausgestellten Bildern war es auch ein Leichtes, davor zu verweilen und zu versuchen, sich in das Dargestellte zu vertiefen.

Leichter war dies bei den vier ausgestellten Skulpturen von Waltraud Reinfrank-Grißmer aus Edesheim bei Landau. Diese hat sich in der Vergangenheit schon an vielen Materialien versucht, so auch bei Schrott, doch letztendlich geblieben ist die Liebe zu Draht, Papier, Kleister und Farben, aber auch Holzstöcken in Formen, wie man sie im Wald findet. Damit fertigt sie Pappmaché-Figuren unterschiedlicher Größe, die sie  dann teilweise auf selbstgeschaffenen Holzgestellen unterbringt, die auch passend bemalt werden. Ihre Figuren bilden Menschen ab, wie sie sind, oder sie werden verfremded zu Tieren, Vögeln oder Fischen, allerdings mit menschlichen Zügen.

Die Skulptur „Der Schlaf des Herrn Jonathan“ zeigt eine lebensgroße Frau, rauchend auf einem Sessel sitzend. Auf ihrem übergeschlagenen Bein sitzt ein Vogel, allerdings mit dem Kopf eines Menschen. Das gilt auch für das Werk „Schräge Vögel“, drei Vögel mit menschlichem Antlitz auf und an einem hohen Gestell. Auch der „Wild Kiss Fisch“ hat menschliche Züge mit besonderer Ausprägung des Mundes. Der Realität entspricht nur das Ensemble „Schatz, was gibt`s zu essen?“, eine ganze Familie mit Frau, Mann, drei Kindern und einem Hund, wobei der Mann noch die Aktentasche trägt, Zeichen dafür, dass er offensichtlich gerade nachhause gekommen ist, um die Ehefrau mit Kind auf dem Arm und mit Rührmaschine anzutreffen.

Die dabei verwendeten Farben sind eindeutig, das heißt es gibt beim einzelnen Werk keine Abstufungen. Die Symbiose von Farbe und Pappmaché lässt bei der Künstlerin keinen Raum für Nuancen, das Rot bleibt Rot und das Grün bleibt Grün ohne irgendwelche Abstufungen. Jede Skulptur wirkt recht lebhaft, wird zum Impuls für gute Laune, die offensichtlich auch bei der Künstlerin beim Schaffensprozess vorhanden war, was schon der jeweilige Werktitel offenkundig werden lässt.

So bietet die Doppelausstellung eine Art Kontrastprogramm, das heißt tiefgründigen und vielsagenden Bildern an den Wänden stehen heitere und leicht aufzunehmende Skulpturen im Kirchenschiff und Chorraum gegenüber. Auf diese Weise wird deutlich, wie nahe beieinander Ernst und Heiterkeit des Lebens sein können, aber auch wie ansprechend beides miteinander harmonieren kann.

Die Skulpturenkünstlerin Waldtraud Reinfrank-Grißmer und die Malerin Manuela Schwarz-Thomas (von rechts) präsentierten in einer Doppelausstellung in der „Alten Kirche“ eine Auswahl ihrer Werke.